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Frühlingserwachen

22. APRIL 2018
 

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Blazer: Weekend Max Mara (Vintage aus Kapstadt) • Top: Chanel (erhältlich in der Boutique Charm um 120€) • Jeans: Zara • Heels: MangoTasche: Louis Vuitton (Boutique Charm 175€)• Ohrringe: Weekday

Von Naturfarben und natürlichem Körpergefühl

Hach, Frühling. Endlich wieder draußen sitzen und Spritzer sippen. Die Welt wird wieder bunter und die Wiener weniger grantig (wobei ein echter Wiener natürlich auch im Frühling nicht zum Katzerl wird). Noch nicht ganz bei "bunt" angekommen, ist bei mir farblich gerade Übergangszeit - Hauptsache mal heller, weg von all black, all day every day. Auch in Modemagazinen und auf Blogs sieht man zurzeit sehr viel Weiß, Creme, Grau und alle möglichen Erdfarben. In den nächsten Wochen darf’s dann aber schön langsam bunter werden. Heute wird es erstmal ernst. Da es mir beim Thema Mode in erster Linie um eine positive Einstellung zum eigenen (natürlichen) Körper geht, wage ich in diesem Beitrag mal einen sehr persönlichen Schritt:

Anti-Antibabypille: Zurück zu einem natürlichen Körpergefühl

Frühlingserwachen hat für mich heuer eine ganz besondere Bedeutung. In den letzten Monaten habe ich endlich meinen eigenen Körper kennengelernt. Vor sechs Monaten habe ich die Antibabypille abgesetzt, weil ich zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben (ich nahm die Pille seit dem Tag, an dem ich 15 wurde) meinen natürlichen Zyklus kennenlernen wollte. Einen Schritt näher zu mir selbst wagen.
Immer mehr Frauen wagen diesen Schritt. Der Anti-Pillen-Hype ist aktueller denn je. Alexandra Stani
ć hat mich und noch viele weitere „Pillen-Abbrecherinnen“ für das Biber Magazin interviewt (hier geht's zum Artikel & und zu meinem Cover hihi). Jede Frau reagiert anders auf die Pille. Deshalb sind die vielen verschiedenen Sichtweisen und Erfahrungen im Artikel so wichtig. Von meinen persönlichen Erfahrungen erzähle ich euch hier und jetzt.

Mehr Erfahrungen zum Thema Pille-Absetzen gibt's jetzt im Biber!

»Your Body is your Temple.«

 

Warum das Ganze?

Meine ganze Jugend über hatte ich mit depressiver Verstimmung und gestörtem Essverhalten zu kämpfen, konnte mich nie richtig in meinen Körper einfühlen. Mein Gewicht schwankte 20 Kilogramm auf und ab - und das immer ganz schnell. Von einem Extrem ins andere. Vom Binge-Eating zum Magerwahn und wieder zurück. Was mein Körper eigentlich wirklich brauchte, konnte ich nicht spüren. Generell konnte ich wenig fühlen. Ihr könnt euch das Gefühl so vorstellen, als wärt ihr in Watte gepackt, nie wirklich präsent. Ich konnte mich schwer für etwas begeistern. Alles war mir wurscht. Im letzten Jahr haben sich mir Freundinnen anvertraut und von ähnlichen Symptomen erzählt, welche bei ihnen durch die Pille ausgelöst wurden (SO wichtig ist der gegenseitige Support unter Frauen - wir können viel voneinander lernen). Daraufhin dachte ich mir, dass ich anstatt meiner Therapeutin mal meiner Gynäkologin einen Besuch abstatten sollte.

Hat's was gebracht?

Ich hab' die Pille abgesetzt und siehe da: Wie ausgewechselt. Meine Stimmung ist jetzt um einiges stabiler - wenn ich nun mal einen schlechten Tag habe, dann ist er 'normal' schlecht, ich werde nicht gleich depressiv. Mein Gewicht hat sich in den letzten sechs Monaten auf mein ursprüngliches Normalgewicht, das ich vor Pillenbeginn hatte, eingependelt. Ganz ohne exzessivem Sport oder Diäten. Ganz ohne Binge-Attacken (Die ein oder andere Tafel Schokolade manchmal ist keine krankhafte Essattacke, Ladies!). Ich fühle nun zum ersten Mal meinen Körper, fühle was er braucht und was ihm guttut. Vor allem weiß ich nun immer mehr wer ich bin, was ich mag und was mir Spaß macht. Als mich Alexandra im Interview fragte, wie ich dieses veränderte Körpergefühl merke, musste ich nicht lange überlegen: Wenn ich mit Freundinnen ausgehe und die ganze Nacht tanze als gäbe es kein Morgen. Sieht vielleicht albern aus, aber fühlt sich SO gut an! Dadurch, dass ich meinem Körper nun endlich vertrauen kann, habe ich an Selbstvertrauen gewonnen.

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Nebenwirkungen - Back to Puberty

Negative Erfahrungen nach dem Absetzen der Pille? Davon gibt's wenige. Wenn ich sie aber so aufzähle, könnte ich genauso gut eine Vierzehnjährige sein, die euch von ihrer Pubertät erzählt. Ich hatte auch mit der Pille immer wieder mal Pickel im Gesicht. Jetzt sind noch ein paar dazugekommen, aber das Ausmaß ist bisher nicht weiter tragisch. Die Angst vor starker Akne ist für viele der Grund, die Pille weiterzunehmen. Ich hatte Glück. Da jeder Körper anders reagiert, kann ich euch leider nichts versprechen.
Meine Haare werden schneller fettig, aber auch das hat sich nicht so dramatisch verändert (jeden dritten Tag Haare waschen anstatt jeden vierten). Die Periode lässt noch auf sich warten, falls euch das auch passiert, lasst euch spätestens nach 3 Monaten mal vom Arzt durchchecken. Ohnehin solltet ihr eurer Frauenärztin / eurem Frauenarzt auch vor dem Absetzen Bescheid geben.

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Fazit

Ein solch' positives Outcome hätte ich mir nie träumen lassen. Natürlich habe ich schon vor dem Absetzen der Pille hart daran gearbeitet, mich in meinem Körper immer wohler zu fühlen. Durch das Absetzen der Pille habe ich eine positivere Grundstimmung und ein viel intensiveres Körpergefühl dazubekommen. Wodurch ich nun alles, was ich in den letzten Jahren in der Psychotherapie gelernt habe, endlich anwenden und genießen kann. Falls ihr ähnliche Phasen durchlebt habt, lasst mich nun die Freundin sein, die euch anregt, das Ganze mit der Pille mal sein zu lassen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert – und gebt nicht nach 2 Monaten gleich wieder auf (Ich habe mit 16 schon mal zwei Monate die Pille abgesetzt und da meine Stimmung dort nicht sofort besser wurde, dachte ich, die Pille hätte ohnehin nichts mit meinem psychischen Wohlbefinden zu tun).
Wenn ihr keinerlei Probleme mit der Pille habt, ist es auch total okay sie weiterhin einzunehmen - ihr müsst das mit eurem Körper tun, was EUCH guttut.

Vergesst niemals: Euer Körper ist euer Tempel und sollte frei von allem sein, das euch – egal ob psychisch oder physisch – Unbehagen bereitet.

Viel Spaß in eurem Körper, Mädels!